SPD-Kulturherbst Ellertal: Das war heiß, Mann!

Veröffentlicht am 09.11.2015 in Ortsverein

Volker Heißmann und Sandra - Foto P. Schmidt

„Locker vom Hocker“ meisterte Volker Heißmann einen jetzt schon legendären Abend

Lohndorf. „Waltraud und Mariechen“, alias Martin Rassau und Volker Heißmann, sind das siamesische Comedian-Paar in deutschen Landen schlechthin. Wie bei „Dick und Doof“ scheint der eine ohne den anderen nicht bestehen zu können. Zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Darf man sie also trennen – und wenigstens für einen Abend alleine auftreten lassen? Die Antwort gab Vielfach-Talent Heißmann mit seinem Soloprogramm „Locker vom Hocker“ beim „SPD Kulturherbst Ellertal“: Im Prinzip ja, aber bloß nicht in Lohndorf! Denn die Geschichte der Kleinkunst muss nach diesem brüllend-komischen Abend im Saal der Brauerei Reh neu geschrieben werden, er wird zur Legende werden...

 

Dabei fing alles so friedlich an. Heißmann lockte sein Publikum mit Komplimenten in seine geniale Multitasking-Show als begnadeter Broadway-Entertainer, „bläiden Geschmarri“-Erzähler, heiteren Tucholsky-Zitierer und ausdrucksvollen Bariton-Sänger. „Grüß Gott, shee, dass ich bei Ihnen sein darf“, schmeichelte der fränkische Kabarettist in roter Brille und ebenso roten Schuhen. Um dann den Brauereisaal zu loben: „Das ist ein kleiner, intimer Rahmen!“ Eine Seitenhieb auf das Organisationsteam des „SPD Kulturherbst Ellertal“ konnte er sich dann doch nicht verkneifen: „Die haben mich mit falschen Versprechungen hierhin gelockt – angeblich ein moderner Saal mit Whirlpool und schönen Frauen!“

Heißmann beruhigte sich jedoch schnell mit dem Tipp eines Kollegen: „Wer im Reh-Saal auftritt, der hat es geschafft!“ Doch da irrte der Meister der schnellen Zunge und mit den spektakulär verdrehten Augen gewaltig. Denn er hatte die Rechnung nicht mit der ersten, überwiegend weiblichen Zuschauerreihe gemacht. Denn wer in Lohndorf auftritt, der ist geschafft! Schlüpfer und Rosen flogen Heißmann zwar nicht entgegen, dafür gab es an diesem denkwürdigen Abend aber alles, was an die Beatlemania der 60er Jahre erinnerte – Tränenausbrüche, Liebesschwüre, Gekreische, verzückte Gesichter mit deutlichen Koma-Anzeichen, ältere Damen, die sich lautstark als Groupies outeten (Heißmann: „Ich sollte wohl lieber Maler werden!“) und natürlich Sandra. Die Sandra. Gerade 40 geworden, stürmte die Gefühlsblondine die Bühne, umarmte weinend mit glückserfüllten Augen den Entertainer, um sich dann öffentlich für ihr Geburtstagsgeschenk – eine Trauerweide – zu bedanken.

Dass großes Entertainment nicht nur aus einstudierten Sketchen und Texten besteht, bewies Heißmann angesichts dieses aus allen Fugen zu geratenen Auftritts. Mit Fingerspitzengefühl, spitzer Zunge, Charme und hintergründigem Humor brachte er den Saal zum Kochen, bei dem alle Lach-Dämme einbrachen und das Publikum tobte. „Ja, man kann sich seine erste Reihe nicht aussuchen!“, dämmerte ihm. Und Heißmann wäre nicht Heißmann würde er sich in solch` schwierigen Momenten nicht an an seine siamesischen Bruderzwilling Rassau denken: „Beim nächsten Mal werde ich meinen Kollegen hierhin schicken. Und die erste Reihe lade ich dann extra für ihn auf meine Kosten ein!“

Großes Show bot der gebürtige Fürther, der seit seinem fünften Lebensjahr auf der Bühne steht, auch ohne einer Mädelreihe außer Rand und Band. Charmant und witzig, mit viele Anekdoten, nahm er sein Publikum auf seinen beruflichen Werdegang, beginnend als kleiner Bub, der die Maria bis zu seinem Stimmbruch singen musste, über seine Hotellehre („Ich bin mit Joe Cocker Aufzug gefahren – und habe gedacht, der ist kaputt. Dabei hat sich Cocker nur geräuspert!“) bis hin zum Durchbruch bei der Veitshöchheimer Fastnacht im Jahre 1997 mit. Da die Show acht Minuten zu früh endete, mussten alle Akteure mit den vorne sitzenden Promis, „diesen Freikartengesichtern“, zu „Feierabend“ ununterbrochen tanzen. Heißmann hatte sich keinen Geringeren als den damaligen bayerischen Ministerpräsident gegriffen. Für beide eine mehr als peinliche Situation, da im Magen des Komödianten ein verdorbenes Stück Kuchen mächtig rumorte und sich nach endgültiger Erlösung sehnte. Heißmann: „Das war der beschissenste Fasching für Stoiber überhaupt!“

 

Neben solchen Kalauern konnte Heißmann auch ganz anders: Mit einfühlsamen Texten und Liedern – von Udo Jürgens bis Frank Sinatra – verzauberte und verblüffte er ein ergriffenes Publikum, um dann wieder Lacher zu ernten mit herrlichen Parodien von bayerischen, amerikanischen, schwulen und Oper-erfahrenen Sängern, die sich auf eine Rolle bei „My Fair Lady“ bewerben. Als dann Heißmann und sein Pianist Stefan Porzner bei der lautstark geforderten Zugabe zu dem Sinatra-Hit „New York, New York“ ansetzten, brachen ausnahmsweise nicht die Damen in der ersten Reihe, sondern die Bierkästen hinter der Theke zusammen. „War ich wirklich so schlecht?“, entfuhr es da Heißmann. Nein, der Auftritt war heiß, Mann! Echt „Locker vom Hocker“

Thomas Pregl

 

 

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